Rückruf Klettersteigsets

Nach der Tsunami-ähnlichen Rückrufaktion der Hersteller von Klettersteigsets in 2012, die übrigens noch andauernd, wird auch schon die nächste Warnung ausgegeben. Damit stellt sich die Frage, welches Klettersteigset überhaupt noch eingesetzt werden kann. Eine vom DAV herausgegebene Liste nennt die Sets, die Klettersteiggeher vor der nächsten Tour unbedingt überprüfen sollten, denn die vom Hersteller genannte Lebensdauer sollte in keinem Fall überschritten werden.

Klettersteigsets – elastisch und brüchig

Die Rückrufaktion vom August 2012 bezog sich auf die einen tödlichen Absturz in Tirol. Ein elastischer Karabinerarm der neuen Generation versagte – aus ungeklärter Ursache. Die fieberhaften Tests der Hersteller verliefen problemlos und der Grund für das Materialversagen blieb zunächst ungeklärt – bis ein Hersteller Unterschiede in der Materialermüdung aufgrund der unterschiedlichen Webarten feststellte. Da jedoch nicht jeder Anbieter diese Webung anbietet, beschränkte sich der Rückruf auf eine – wenn auch hohe – Anzahl Klettersteigsets. Diese Liste wurde jedoch erweitert, nachdem festgestellt wurde, dass nach Ablauf der Lebensdauer der Sets, eine beschleunigte Materialermüdung eintreten kann – selbst bei anderer Webart. Das elastische Band aus Polyamid muss also dringend nach dem Ende der Produktlebensdauer ausgetauscht werden. Anbieter solcher Elastikbänder läuteten daher vorsorglich die Rückrufaktion auch für ihre unterschiedlich gewebten Polyamidausstattung ein. Weitere Tests zeigten eine stärkere Abnutzung auch an Knickstellen. Da nicht Hersteller die Polyamid-Ausrüstungen zurückgerufen haben, verbleibt der Kunde ratlos und verunsichert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte also in jedem Fall – auch beim Neukauf – besonders auf die verwendeten Materialien achten.

Im Fall des Falles

Die Rückrufaktion vom Februar 2013 umfasst die Produktlebensdauer der Klettersteigsets. Bänder hin oder her, nach Ablauf der Lebenszeit zeigen die Sets starke Einschränkungen in der Sicherheitsfunktion. Daher werden vorsorglich bestimmte Modelle der Klettersteigsets zurückgerufen. Insbesondere geht es nun um Sets mit Fallenergiedämpfern aus Metall. Diese Seilbremsen, auch Falldämpfer oder Klettersteigbremsen genannt, sollen nach ihrer Ablegereife nicht mehr verwendet werden. Grund ist die entstehende Reibung. Die kann bei einem gealterten Seil, das nicht mehr leichtgängig durch die Bremse zieht, so groß werden, dass der Körper die im Fall einwirkenden Kräfte nicht mehr aushält. Und wieder weiß der Verbraucher nicht so recht Bescheid – trotz der Informationsflut. Sichert die Bremse wirklich zuverlässig mit neuem Seil, oder soll alles am besten gleich ausgetauscht werden?

Den Sport nicht vermiesen lassen

Trotz nicht end wollender Warnungen und Rückrufe steht immer noch der Fun- und Freizeitspaß beim Klettersteigen im Vordergrund. Mit einem Klettersteigset – ohne Elastikbänder aus Polyamid und mit gültiger Produktlebensdauer – kann noch immer sicher geklettert und gestiegen werden. Wenn auch ein schaler Nachgeschmack bleibt – denn immerhin war es ein tödlicher Unfall, der zur genaueren Untersuchung der Rückrufaktion führte – so sind doch die Klettersteigsets der Hersteller von hoher Qualität. Die Überraschung der Hersteller durch die Materialermüdung im ersten Rückruf überrascht jedoch, da der Kunde einen solchen Test bereits vor dem Ausliefern der Klettersteigsets in die Verkaufsregale erwartet hätte. Wofür zahlt der Kunde etwas mehr, wenn es um die großen und bekannten Hersteller geht? Das i-Tüpfelchen an Belastungsprüfungen und Sicherheit hätte man hier eigentlich erwartet.


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