Island Aktiv – Wandern und Klettern wann und wo? Die besten Routen und Tipps

Island, die Vulkaninsel im rauen Nordatlantik, lockt mit seinem einzigartigen Naturerlebnis immer mehr Wanderurlauber. Doch auch für Kletterer sind besonders die bizarren Vulkanfelsen und Gletscherformationen des Hochlands eine Reise wert.

Die Insel wurde nach ihrer Entdeckung durch Wikinger im 10. Jahrhundert zwar besiedelt und hat heute etwa 320.000 Einwohner, die jedoch zum größten Teil in der Hauptstadt Reykjavik und an der Küste leben, womit Island das am dünnsten besiedelte Land Europas ist. Das Hochland ist nach wie vor unbesiedelt und bietet ein einzigartiges Erlebnis in unberührter Wildnis.
Wenn man eine Wandertour auf Island plant, muss man sich bewusst machen, dass die Insel mit 66° Nord direkt am Polarkreis liegt und ein entsprechend raues Klima aufweist. Viele Straßen durch das Hochland, wie etwa die Sprengisandurpiste oder die Kjölur, werden erst Mitte Juni oder Anfang Juli freigegeben und etwa Mitte September, beim ersten Schneefall, wieder gesperrt. Deshalb empfehlen sich als Reisezeit Juli oder August. Auch in diesen Monaten kann es zu heftigen Stürmen kommen, aber zumindest Schneefall ist unwahrscheinlich. Außerdem kann man um diese Jahreszeit die Mitternachtssonne genießen, denn im Hochsommer wird es auf Island für mehrere Wochen nicht richtig dunkel.

Kirkjufell, IslandeEs gibt auf Island nur wenige ausgewiesene Wanderwege. Die schönsten Touren führen entlang der alten Hochlandreitwege Sprengisandurpiste und Kjölur in Nord-Süd-Richtung einmal von Küste zu Küste. Die alte Variante der Kjölur, der Kjalvegur, führt über etwa 160 Kilometer vom Haukadalur vorbei an den Gletschern Langjökull und Hofsjökull bis nach Blönduós. Entlang der Route liegen immer wieder Schutzhütten mit Vorräten für mehrere Tage, in die man sich bei einem unerwarteten Wetterumschwung zurückziehen kann. Nach etwa der halben Strecke kann man sich in Hveravellir bei einem Bad in den heißen Quellen entspannen, die es dort reichlich gibt.
Die Sprengisandurpiste ist der längste Weg durch das Hochland und verläuft vom Vulkan Hekla bis zum Wasserfall Aldeyjarfoss. Früher wegen ihrer Trockenheit gefürchtet, bietet sie heute dem Wanderer atemberaubende Ausblicke auf den größten Gletscher Europas, den Vatnajökull, die Stauseen Hrauneyjarlón und Þórisvatn und das unter Naturschutz stehende Hochtal Nýidalur. Entlang der Piste findet man als Übernachtungsgelegenheit einige Hütten des isländischen Wandervereins Ferðafélag Íslands, die zum Teil auch bewirtet werden. Gekennzeichnet ist die Route durch Steinmännchen, die im vegetationsarmen Hochland weithin sichtbar sind.
Falls Sie noch kein erfahrener Wanderer sind oder erst einmal einen ersten Eindruck von Islands Landschaft bekommen möchten, empfehlen sich die vielen Bauernhöfe am Rand des Hochlands als Ausgangspunkte für Ein- oder Mehrtagestouren. Oft werden im Sommer Pakete für mehrere Übernachtungen und Verpflegung mit geführten Hochlandtouren angeboten. Wer will, kann auf den meisten Höfen sogar Reit- und Wandertouren kombinieren.

Eine Region, die touristisch noch recht unerschlossen, aber optimal geeignet für einen Wanderurlaub mit Tagestouren ist, ist zum Beispiel der Hornafjörður im Südosten der Insel. In diesem ländlich geprägten Gebiet findet man in den Tälern Bauernhöfe mit riesigen Schafherden auf saftigen grünen Wiesen, einen Strand aus schwarzem Vulkansand, schroffe Felsabhänge und Ausläufer von Gletschern. Es gibt Wandertouren in allen Schwierigkeitsgraden und für jeden Fitnessgrad. Die benötigte Wanderausrüstung und Tourenkarten kann man normalerweise, abgesehen von Wanderstiefeln, bei seiner Unterkunft ausleihen.

Eine weniger wilde Landschaft, dafür aber noch mehr Einsamkeit bieten die Westfjorde. Hier findet man in vielen Tälern leerstehende, verfallende Bauernhöfe, deren letzte Bewohner in der Wirtschaftskrise nach Reykjavik gezogen sind. Es gibt noch einige wenige Höfe mit Übernachtungsmöglichkeit in der Region, aber sicherheitshalber sollte man ein Zelt mitnehmen oder sich im Voraus nach auf dem Weg liegenden Schutzhütten erkundigen, denn gerade in den Westfjorden gibt es häufig auch im Hochsommer schwere Stürme mit sintflutartigen Regenschauern. Diese enden aber meist genauso schnell wie sie gekommen sind und man kann wieder die unverschmutzte Seeluft bei einer leichten Brise und strahlendem Sonnenschein bis kurz vor Mitternacht genießen.

KeridAuch für Kletterer ist Island ein Paradies: Durch seinen vulkanischen Ursprung bietet es atemberaubende, bizarre Felsformationen mit einer Vielzahl an möglichen Routen, die zum Teil noch nie begangen wurden. Eine kleine Gemeinschaft von isländischen Kletterern erschließt immer mehr neue Routen. Hnappavellir ist derzeit das größte Klettergebiet mit eingebohrten Haken, aber auch in Starrdalur und Valshamar wenige Kilometer von Reykjavik gibt es gesicherte Routen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. In Hnappavellir gibt es mittlerweile mehr als 100 Routen, davon allerdings die meisten mit Schwierigkeitsgrad 6 oder mehr. Im Internet findet sich eine Topographie von Hnappavellir mit allen derzeit erschlossenen Routen. Wenn man alpinen Granit gewohnt ist, ist jedoch Vorsicht geboten: Der vulkanische Basalt auf Island ist um einiges weicher und bröckeliger. Ein Griff oder Haken, der nach Erfahrung in den Alpen locker halten würde, kann auf Island sehr schnell ausbrechen. Für absolute Kletteranfänger ist die Insel also nur in erfahrener Begleitung zu empfehlen.

Dagegen gibt es für Boulderer auf Island mehr als genug Probleme, die allerdings bisher kaum erschlossen oder topografiert sind. Der beste Tipp zum Bouldern auf Island ist nach wie vor, sich ein Mietauto und ein Zelt sowie die Bouldermatte mitzunehmen, loszufahren und einfach loszulegen. In Hnappavellir gibt es einige bereits im Internet beschriebene Boulder-Probleme, es beschäftigt sich aber noch kein auf dem Markt erhältlicher Führer mit Bouldern auf Island. Auch eine Slackline wurde vor Kurzem in Hnappavellir installiert, jedoch ist die Szene auf der Insel noch sehr überschaubar.

Wenn man jedoch zum Klettern an den Polarkreis reist, sollte man sich nicht nur mit traditioneller Felskletterei, die man auch in den Alpen haben kann, abgeben. Das wahrlich einzigartige am Klettern auf Island ist seine riesige Gletscherlandschaft im Hochland mit teilweise noch nie begangenen Eishöhlen, die in allen Blautönen schillern. Der isländische Alpenverein, Islenski Alpaklúbburinn, hat speziell ausgebildete Gletscherführer, die auch im Eisklettern wenig erfahrene Touristen auf Gletschertouren sicher führen. Die Bedingungen zum Eisklettern sind besonders im Frühling, ab Ende Februar, optimal und mit etwas Glück kann man dann nachts sogar noch die spektakuläre Aurora borealis beobachten. Als Ausgangspunkt für Gletschertouren eignen sich die Küstenorte in der Nähe des Vatnajökull, zum Beispiel Vík oder Höfn. Es lohnt sich auch, bei den Bauernhöfen mit Übernachtungsmöglichkeit nach Optionen für Gletschertouren anzufragen, denn viele Bauern am Rand des Hochlandes sind in der isländischen Bergwacht organisiert und dazu noch ausgebildete Gletscherführer, die ihre Übernachtungsgäste vielleicht auch einmal auf den Gletscher mitnehmen.

Die Anreise nach Island erfolgt aus Deutschland für gewöhnlich per Flug nach Reykjavik. Dies ist sicherlich die billigste und schnellste Option, aber der schönste Weg an den Polarkreis ist ein anderer: Mit der Autofähre Norröna der Smyril Line kann man einmal pro Woche vom dänischen Hanstholm über die Färöer zum isländischen Seyðisfjörður übersetzen. Besonders für einen Wanderurlaub ist diese geruhsamere Art des Reisens die perfekte Einstimmung und im Vergleich zum Flugzeug auch die deutlich umweltschonendere Variante. Als Reisedokument reicht ein deutscher Personalausweis.


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