Wandertouren an der portugiesischen Algarve

Manche wollen nur eines: Sonnenbaden am Meer! Doch Portugal hat viel mehr zu bieten als das Rauschen der Wellen allein und die Kraken und Fische, die in den malerischen Dörfern wie eh und je an der Wäscheleine hängen. Die weltberühmte Klippenlandschaft am südwestlichsten Winkel des Kontinents wird aber erst dort romantisch, wo die Hotelburgen nicht mehr das Bild bestimmen und der Tourismus nicht mehr boomt sondern bestenfalls noch dahin plätschert. Das grüne Hinterland der Algarve ist der Ausgangspunkt von Wanderungen, die man in seinem Leben nie mehr vergisst. Dies ist die Region, in der der Wanderer auf einsamen Pfaden zu sich selbst findet, wo die Natur noch immer von einzigartiger Ursprünglichkeit ist und wo der Eseltreiber dem Fremden ein herzerfrischendes Lächeln schenkt.

Grüne Hügel und blühende Wiesen

An den Stränden der Algarve hat die Ökonomie die Ökologie nicht erst seit gestern fest im Griff. Die zugebaute Küste zwischen Faro und Sagres umfasst mit ihren Hotelburgen zwar nur fünf Prozent der gesamten portugiesischen Landesfläche, doch zwei Drittel aller Touristen gehen hier für die Zeit ihres Urlaubs vor Anker. Wer jedoch den Duft der reichhaltigen Pflanzenwelt einatmen möchte, der sollte sich von den Stränden lösen und hinaufwandern zu den idyllischen Wäldern rund um den Gipfel des Bergdorfs Monchique. Für seine Mühen wird der Gast belohnt durch den Blick auf grüne Hügel. Da es hier häufiger regnet, blühen auch im Sommer die Wiesen. Und mit etwas Glück begegnet man Rebhühnern, Mungos und der scheuen Ginsterkatze, während hoch über den Köpfen Raubvögel ihre Kreise ziehen.

Zum Bergdorf Monchique

Zu den Grotten und Klippen der Algarve gelangt der Wanderer, wenn er sich die Ponta da Piedade mit dem von weitem sichtbaren Leuchtturm zum Ziel nimmt. Die Tour beginnt von Praia de Luz und endet am Fuß einer steilen Treppe. Von hier aus bietet sich die Chance, von Fischern per Boot zu den tollen Höhlen zu gelangen. Rund 16 Kilometer ist die Wanderung von Barao Sao Joao durch den Staatsforst Mata national zum grünen Tal des kleinen Dorfes Barao Sao Miguel, wo es eine Erfrischung in einem Badesee gibt. Zurück geht es dann auf ruhigen Pfaden und mit Ausblicken auf die wilde portugiesische Küste, unweit eines Waldgeländes zum Ausgangspunkt. Malerisch schmiegt sich das Dorf Monchique unterhalb einer alten Klosterruine an den Berg. Von hier lädt ein Rundwanderweg ein, um den höchsten Gipfel der Region, den Foia, von allen Seiten zu genießen. Der Aufstieg erfordert von den Wanderern eine gewisse Kondition, doch der Rückweg auf den Waldwegen ist gemäßigt. Aber: Diese 16 Kilometer lange Wanderung sollte gut geplant sein – mit Verpflegung und reichlich Getränken im Rucksack.

Im Tal des Ribeira da Carrapateira

Eher leicht ist hingegen die Wanderung vom Dorf Hortas do Tabual zu drei Traumstränden der Algarve: Praia do Barranco, Ingrina und Zavial. Der Pfad schlängelt sich zunächst durch das einsame Hinterland und führt dann zum Strand. Später wird der Wanderer für seine Mühen auf dieser zehn Kilometer langen Wanderung entschädigt durch einen Panoramablick über die grandiosen Klippen. Zurück geht es dann über ausgeschilderte Feldwege. Das Fischerdorf Carrapateira ist das lohnende Ziel einer 17 Kilometer langen Wanderung, die ihren Ausgangspunkt in der Senke von Vilarinha hat. Man folgt dem Tal des Ribeira da Carrapateira. Auf dem Rückweg passieren die Wanderer einem Eldorado der Surfer, dem Strand von Praia do Amado.

Auf der Via Algarviana

Sehr beliebt sind auch zwei Wanderwege im Schatten der Burg Paderne. Ein nur 4,5 Kilometer langer Spaziergang führt über unbefestigte Pfade, enlang des Flusses Quartera zu einem Staudamm und dann wieder zurück zum Ort. Eine elf Kilometer lange Alternativwanderung hat die Kapelle Nossa Senhora ao Pe da Cruz in Paderne als Ausgangspunkt. Allerdings sollte man diese Tour nicht zur Regenzeit unternehmen, da dann der Fluss Algibre Hochwasser führen könnte. Konditionsstarke Wanderer werden sicherlich Gefallen finden an einem neuen Algarve-Fernwanderweg namens Via Algarviana. Diese Tour ist immerhin 240 Kilometer lang, beginnt an der spanischen Grenze bei Alcoutim und endet bei Vila do Bispo. Auf alten Pfaden geht es durch eine abwechslungsreiche Landschaft mit Mandelbäumen, Schirmpinien und Zistrosen.

algarveBei den Flamingos des Arade

Naturliebhaber kommen auf einem Wanderpfad entlang einer alten Levada auf ihre Kosten, denn es geht unter anderem zu einem Vogelparadies. Los geht es in Silves, der alten Metropole der Mauren, die hier ein Kastell errichteten, und dann immer entlang eines Bewässerungskanals. Der Fluss Arade schenkte dieser Region ein fruchtbares Land und der Reichtum an Wasser war auch der Grund, warum es hier noch immer viele seltene Vögel gibt. Flamingos, Reiher und Störche machen am Arade Station oder sie brüten hier. Dieser 15 Kilometer lange Weg ist abwechslungsreich und nicht zu schwer. Im Naturschutzgebiet Rocha da Pena darf man dreierlei erwarten: Eine ungewöhnliche Felsformation, nicht nur im Frühjahr wilde Orchideen und Narzissen sowie eine artenreiche Tierwelt. Von Pena aus sollte man sich allerdings auf einige steile Anstiege bei dieser mittelschweren Wanderung einstellen.

Obelisk und Felsenlabyrinth

Eine sehr schöne Wanderung beginnt in Praia da Salema. Der Pfad führt parallel zur Küste und erreicht die Bucht von Boca do Rio. Nach dem Strand von Almadena gelangt man nach Burgos und später nach Luz. Der Obelisk von Atalaia weist den Weg zum eindrucksvollen Felsenlabyrinth Ponta da Piedade. Endstation ist dann Lagos. Für die zwanzig Kilometer lange Wanderung sollte man gut sechs Stunden einplanen. Ähnlich weit ist die Tour in der Serra do Caldeirao. Der Start ist in Parises, wo man sich gen Süden orientiert und dann zum Ribeira das Ruivas absteigt. Dem Fluss folgt man zunächst nach Südwesten, ehe es in östlicher Richtung weiter geht nach Varzeo do Velho. Einige Zeit später erreicht der Wanderer wieder den Ribeira das Ruivas. Dort gibt es Alternativen. Die eine führt direkt zurück nach Parises, die andere berührt noch Fronteira und Cabeca do Velho. Sehr schön ist auch die Strandtour auf der Ilha de Tavira. Sie ist 22,5 Kilometer lang und führt von Pedras d’El Rei über einen Steg auf die Insel. Einige Fischerhütten säumen den Weg zum Stand Praia do Barril. Vorbei am „Friedhof der Anker“ und dem Strand Terra Estreita geht es am nordöstlichen Zipfel des Eilands mit einer Fährverbindung nach Tavira.

Gute Schuhe und ausreichend Getränke

Wer an der Algarve wandern möchte, der sollte allerdings einiges beherzigen. Zwar sind die meisten Wanderungen weitgehend ungefährlich, doch an den Klippen ist Vorsicht geboten. Markierte Wege – die meisten sind mit einer WIP-Nummer gekennzeichnet – dürfen auf keinen Fall verlassen werden. Da es hier zahlreiche stachelige Pflanzenarten gibt, sind lange Hosen bei Wanderungen in Strandnähe von Vorteil. Wanderschuhe sind ebenfalls zu empfehlen, denn nur auf den Forstwegen des hügeligen Hinterlandes der Algarve darf man auf ein ebenes Gelände hoffen. In der heißen Jahreszeit sind lange Wanderungen nur bedingt zu empfehlen – der Verzicht auf ausreichende Getränke wäre dann sogar fahrlässig. Da nicht alle der schönsten Routen ausgezeichnet sind, darf eine gute Wanderkarte im Gepäck nicht fehlen. Und beim Kauf eines Rucksacks sind all‘ jene im Vorteil, die nicht auf den Cent schauen sondern auf Qualität. Spätestens nach ein paar Wanderkilometern weiß man das zu schätzen.


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